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Über Cyanobakterien und Cyano Community
Was genau ist eigentlich eine Cyanobakterie?
Eine Cyanobakterie ist ein Mikroorganismus, der – wie Pflanzen – Photosynthese betreiben kann. Cyanobakterien kommen in aquatischen Lebensräumen vor, aber auch in vielen terrestrischen Ökosystemen, einschließlich extremer Lebensräume wie Wüsten. Trotz der Bezeichnung „Blaualgen“ sind Cyanobakterien keine Algen, sondern Bakterien.
Benthische und planktonische Cyanobakterien
Benthische Cyanobakterien
Benthische Cyanobakterien wachsen auf untergetauchten Substraten: Felsen, Kieselsteinen, Sandbänken, Wasserpflanzen, Stämmen und Wurzeln. Ihre Blüten erscheinen als dunkelbraune, dichte, übelriechende Massen, die an die Wasseroberfläche treiben oder an den Ufern angespült werden. Diese Massen können sehr hohe Konzentrationen an Neurotoxinen enthalten und sind besonders gefährlich für Hunde, die vom Geruch angezogen werden.
Planktonische Cyanobakterien
Sie kommen in Seen vor und schweben in der Wassersäule, entweder nahe der Oberfläche oder in tieferen Bereichen. Planktonblüten färben das Wasser blaugrün, grün oder manchmal rot. Bei starker Ausbreitung können sich farbige Schlämme an den Ufern ansammeln. Beim Abbau können planktonische Blüten den gelösten Sauerstoff verbrauchen und massenhaftes Fischsterben verursachen. Manche produzieren zudem Toxine, die Badende gefährden oder das Wasser kontaminieren.
Cyanotoxine
Nur wenige Cyanobakterienarten – ob planktonisch oder benthisch – können Toxine produzieren, die für Menschen und Haustiere gefährlich sind. Die häufigsten und gefährlichsten Cyanotoxine wirken auf das Nervensystem (Neurotoxine) oder auf die Leber (Hepatotoxine). Neurotoxine können in wenigen Minuten tödlich wirken, während die Symptome von Hepatotoxinen erst Stunden später auftreten.
Sechs Hunde starben in Neuenburg innerhalb von 24 Stunden
Im Sommer 2020 starben an der Mündung der Areuse mindestens sechs Hunde, nachdem sie toxische Cyanobakterienmatten aufgenommen hatten. Die ersten Symptome traten nur wenige Minuten nach der Aufnahme auf. Das verantwortliche Cyanobakterium wurde vom Labor für Mikrobiologie der Universität Neuchâtel als Microcoleus anatoxicus identifiziert. Diese Art wächst auf dem Flussbett, auch in der Areuse. Ihre Matten enthalten große Mengen eines Anatoxin a Derivats, das für Hunde hochgiftig ist. Anatoxin a stört einen natürlichen Neurotransmitter (Acetylcholin), der für die normale Muskelaktivität benötigt wird. Eine Vergiftung führt zu einer Lähmung des Zwerchfells und damit zum Ersticken.
Das Ausmaß des Cyanobakterienproblems durch Citizen Science verstehen
Cyanobakterien, die Anatoxin a produzieren können, scheinen in den Flüssen und Seen des Schweizer Mittellands weit verbreitet zu sein: man findet sie vom Ufer des Genfersees im Kanton Waadt bis zu den Rheinufern in den Kantonen Schaffhausen und Tessin. Das Citizen Science Projekt Cyano Community verfolgt das Ziel, unser Wissen über toxische Cyanobakterienblüten zu verbessern und eine direkte Verbindung zwischen Behörden, Bürgerinnen und Bürgern sowie Wissenschaftlern zu schaffen. Im Rahmen des Projekts lernen die Teilnehmenden, potenziell toxische Blüten zu erkennen und zu dokumentieren. Während der ersten Schulung erfahren sie mehr über Cyanobakterien und ihre Toxine, lernen die Datenerfassungs App kennen und erhalten eine Einführung in die Probenahmeverfahren. Citizen Scientists erhalten ein Kit, das ihnen eine sichere Probenahme ermöglicht. Dank Cyano Community können sie wichtige Informationen zu ihren Beobachtungen übermitteln und Proben von Cyanobakterienmatten an Analyse¬labors senden.
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